Chronik


Wasser... ...gehört laut frühester Philosophen neben Feuer, Luft und Erde zu den vier Urelementen. Ohne Wasser ist schlechthin kein Leben möglich. So besteht etwa der menschliche Körper aus nicht weniger als 70% Wasser, und dieser Prozentsatz muss täglich mit 1,5 Liter da von aufgefüllt werden. Chemisch ist Wasser mit der Formel H2O eine der einfachsten Verbindungen, aber alles, was damit zusammenhängt, ist so vielfältig, dass es sogar ein umfangreiches Lexikon füllt, ein komplexes Nachschlagewerk, in dem man unter „H“ den Begriff „Heilwasser“ findet. Der Suchende kann hier nachlesen, dass „das Vorhan den sein eines natürlichen, wissenschaftlich anerkannten und durch Erfahrung bewährten Heilmittels aus dem Boden“ (Zitatende) eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Anerkennung als Heilbad ist. Dieses Kriterium erfüllt Bad Bodendorf mit seinem Heilwasser immer noch, auch, wenn man aus anderen Gründen glaubte, diesem Dorf das Prädikat „Heilbad” aberkennen zu müssen. Die Söhne Josef Hardts wären vor 80 Jahren niemals auf die Idee gekommen, ein Freibad zu bauen, wenn sie nicht die staatlich anerkannte Heiltherme „St. Josef Sprudel“ gehabt hätten, mit deren wertvollem Nass das neu geschaffene Becken täglich gefüllt werden konnte.

Für die große Attraktivität dieses Freibades von Anfang an sprechen die bereits im ersten Jahr seit Eröffnung am 20. Juni 1937 verkauften 11500 Eintrittskarten. Die Tat sache, dass dieses Bad in seinem äußeren Erscheinungsbild bis heute quasi unverändert besteht, macht wohl neben seiner gesundheitsfördernden Kom ponente seinen bis heute ungebrochenen besonderen Reiz aus.

Eine kleine Chronologie

Es war sicher eine der wichtigsten Investitionen der Familie Hardt, die von Anfang an bis zum Verkauf der Kuranlagen an die Firma Wetterstein im Jahre 1972 die Geschicke des Heilbads führte: der Bau eines Thermal-Freischwimmbads. Die Grundvoraussetzung für dieses Unternehmen, das Vorhandensein von genügend Thermalwasser, war ja durch den 1930 erbohrten St. Josef Sprudel gegeben, der im gleichen Jahr auch als gemeinnützig staatlich anerkannt worden war und es bis heute ist. Ein weiterer Anstoß für die Verwirklichung eines Freibads war für die vier Söhne Josef Hardts, die nach dessen Tode im Jahre 1931 das Ruder übernommen hatten, sicher auch die Anerkennung Boden dorfs als „Heilbad“ im Jahr 1935. So wurde das Projekt unter der Leitung des Remagener Architekten Urbach schnell in Angriff genommen, und am 20. Juni 1937 wurde das „Bodendorfer Thermal-Freibad“ durch den Remagener Bürgermeister Dr. Kemming feierlich eröffnet. Das neue Freibad erfreute sich schnell großer Beliebtheit und ließ die Übernachtungszahl im Heilbad vor dem Krieg auf satte 28 Tausend empor schnellen. Im Krieg war das Freibad zunächst weiterhin geöffnet, in der Endphase aber stand der Sinn wohl weniger nach Badespaß. Langsam aufwärts ging es mit dem Bad wieder Anfang der fünfziger Jahre, der echte Aufschwung kam jedoch erst, nachdem mit der Freigabe der Freiherr v. Stein-Brücke 1953 die schlechte Verkehrsanbindung des Kurgebiets beendet worden war.

Auch die Firma Hardt investierte in diesen Jahren. Es wurde ein Kinderbecken mit Rutsche gebaut, und das Eingangsgebäude wurde durch den Anbau eines Café-Restaurants mit Dachterrasse erweitert, das bis in die 90er
Jahre von der Familie Salm, später Tochter Hanni (Greifenhagen) geführt wurde. 1972 verkaufte die Erbengemeinschaft Hardt das gesamte Kur gelände mit allen Gebäuden und dem Freibad an die Münchener Firma „Dr. h.c. Hubmann” (Wetterstein Seniorenheime). Es sollte das größte Wellen-Sole-Mare-Brandungs-Hallenbad der Bundesrepublik entstehen. Allerdings ging die Firma ein Jahr darauf in Konkurs. Das Freibad wurde daraufhin einige Jahre von der Stadt selbst betrieben und ist schließlich auch in deren Besitz übergegangen. 1979 pachtete Engelbert Hoischen das Kurmittelhaus mit dem Freibad, und durch seine fachliche Kompetenz und seinen unermüdlichen Einsatz erlebte das Bad bald wieder eine spürbare Blüte.

Das Ende des braunen Wassers

1986 trat die DIN-Norm 19643 in Kraft. Hiernach wurde Freibädern nur noch Versicherungsschutz gewährt, wenn das Badewasser Trinkwasserqualität aufwies und bis zum Beckengrund klar durchsichtig war. Das Ende des braunen Wassers war gekommen. Es musste eine Enteisenungsanlage installiert werden, was Zeit brauchte, so dass das Bad erstmalig in seiner Geschichte am Karfreitag geschlossen blieb und erst am 18. Juli die Badesaison dann verspätet eröffnet wurde. Nach Saison schluss wurde eine Komplettrenovierung des Beckens durchgeführt und kurz darauf wegen des maroden Zustands und Sicherheitsmängeln noch das alte Kinderbecken mit der Rutsche entfernt. Am 6. Juli 1988 erfolgte die offizielle Wiedereröffnung des Bades in neuem Glanz. Bis in die 90er Jahre war das Bad ohne die Person Engelbert Hoischen nicht mehr vorstellbar. Er hatte inzwischen auch schon viel Eigenkapital in die Einrichtungen gesteckt und hegte schließlich eigene Baupläne für ein kleines Kurzentrum in Bad Bodendorf, nachdem alle bisherigen Groß vorhaben auf dem Reißbrett hängen geblieben waren. Leider konnte die für das Projekt nötige Einigung mit der Stadt Sinzig nicht erzielt werden, und diese schrieb die Pächterstelle für das Bad neu aus. Engelbert Hoischen bewarb sich hierfür nicht mehr und baute sein neues Thera piehaus in der Schillerstraße. Es folgte das einjährige Intermezzo mit der Firma GutTossens, die in kürzester Zeit das viel versprechende Konzept „Vitalpark“ entwickelte. Nach dem schnellen Aus von Gut-Tossens wurde Alexander Albrecht, der bis dahin schon das Schwimmbad-Restaurant geführt hatte, neuer Pächter des Freibads. So führte er zusammen mit seinem Schwimmmeister Frank Riffel 15 Jahre die Geschicke des Thermalbades. 1998 wurde die neue Kinderschwimmanlage eingeweiht. Damit hatten auch die Pänz wieder Gelegenheit, so wie die Großen in frischem Thermalwasser zu plantschen, und das Bad wurde auch wieder voll seiner Funktion als „Familienbad“ gerecht. Neben der Einführung der „Blauen Stunde“ (vergünstigter Morgen- und Abend tarif), entstand unter Alexander Albrecht die Idee des Bad Bodendorfer Kultursommers. Eine Mischung aus familiärem Schwimmen, kulinarischen Leckereien aus der Region und musikalischem Unterhaltungsprogramm am „Beckenrand“. Unter dem Titel „Mondscheinschwimmen im Thermalbad“ fanden seit dem Jahr 2005 diese sommerlichen Kulturabende statt, die teilweise, je nach Wetterlage, bis zu 600 Personen in das Thermalbad lockten.

Die unbeständige Wetterlage im Sommer der vergangenen Jahre und die gestiegenen Energiekosten, die für den Betrieb eines „Freibades“ benötigt werden, veranlassten Albrecht schließlich, schweren Herzens seinen Pacht vertrag nach insgesamt 15 Jahren zum Ende des Jahres 2011 aufzugeben. Auch die Einführung eines neuen gastronomischen Konzeptes, welches gut angenommen wurde, konnte die Aufgabe nicht abwenden.

So folgten nach Saisonende Monate zäher Verhandlungen und harten Ringens um die Zukunft des Bades, wobei auch das Schreckgespenst einer Schließung im Raum stand. Sicher ein Hauptgrund für die Gründung eines Fördervereins, dem sich spontan 350 Freunde des Bades anschlossen. Am Ende fanden sich nicht weniger als fünf Bewerber um die Pacht, darunter auch die Kur AG Bad Neuenahr. Nun, der Stadtrat entschied sich schließlich, kurz vor Saisonbeginn, mit einer Stimme Mehrheit für den langjährigen Schwimm meister Frank Riffel und seine Frau Eva als neue Pächter des Bades. Deren Konzept war die Bewahrung der Tradition und des nostalgischen Charakters des Bades, begleitet von einer kontinuierlichen Renovierung der Anlagen. Ebenso sollte Bewährtes und Liebgewordenes weitergeführt werden. Hierzu zählte anfangs auch der Kultursommer. Trotz der kurzfristigen Startsituation gelang es dem Ehepaar Riffel, hierzu wiederum ein ansprechendes und abwechslungsreiches Kultursommerprogramm auf die Beine zu stellen. Allerdings waren die Veranstaltungen meist wenig vom Wetter begünstigt, so dass sich Riffels wegen des immer wieder hohen Risikos schließlich entschieden, das Programm nicht weiterzuführen, um sich umso mehr um den laufenden Badebetrieb und dessen Belebung kümmern zu können. Für den Betrieb des Bistros hatte man kurzfristig den neuen Metzger im Dorf, Stefan Unger, gewonnen und in ihn viel Hoffnung gesetzt. Leider stellte sich aber bald heraus, dass er
mit dieser Aufgabe offensichtlich überfordert war. Ins erste Arbeitsjahr der neuen Pächter fiel auch die Geburtstags feier anlässlich des 75jährigen Bestehens des Bades, die allerdings schon vom neuen Förderverein
„Freunde des Thermalfreibades Sinzig-Bad Bodendorf“ e.V. organisiert und ausgerichtet werden konnte. Das Fest stieg am 28. Juli mit einem bunten und vielseitigen Programm für Jung und Alt. Die letzten vier Jahre standen im Zeichen von Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen im Bad, sowohl von Seiten des Fördervereins und seiner aktiven Helfer um die Brüder Albert und Josef Strohe, aber auch der Stadt. So konnte 2013 aus Mitteln des Fördervereins ein stromsparender Frequenzumwandler eingebaut werden, wodurch eine wesentlich wirtschaftlichere Beheizung des Wassers möglich wurde. Mit neuen Geräten konnte auch der Spielplatz attraktiver gemacht werden. Gleichzeitig verbesserte die Stadt die Zuwegung, schuf neue Parkplätze hinter dem Bad und errichtete 20 weitere Zellen im hinteren Bereich der Liegewiesen. Richtig viel Geld nahm die Stadt für Maßnahmen in der Winterpause 2015/16 in die Hand.

Bereits im November wurde im großen Becken eine Fliesensanierung inklusive Silikonerneuerung durchgeführt. Zudem erfolgte Neubau und Umgestaltung der gesamten Duschanlage in einen barrierefreien und behindertengerechten Zustand. Gleichzeitig konnte mit Unterstützung des Fördervereins die dringend nötige Sanierung der kompletten Wasseraufbereitungsanlage durchgeführt werden. Bürgermeister Kroeger betonte in seiner Ansprache bei der diesjährigen Saisoneröffnung, dass sich die Investitionen im Sinne der ganzstädtischen Bedeutung des Bades außerordentlich gelohnt haben. Eine Gemeinde könne sicher stolz darauf sein, auf seinem Stadtgebiet ein Freibad zu haben, das mit dem Wasser einer ausgezeichneten und staatlich anerkannten Heiltherme gefüllt ist. So hat die Saison im Jubiläumsjahr trotz anfänglicher Kälteperiode recht gut angefangen, und auch die jetzt von Familie Aslani geführte Gastronomie „Badepause“ er freut sich zunehmenden Zuspruchs.

Die Initiative „Freunde des Thermalfreibades Sinzig-Bad Bodendorf“

vom Sommer 2011 mauserte sich zu einem gemeinnützigen Verein, der die Pächterfamilie mit Arbeitsstunden unter stützt und Spenden zur behutsamen Modernisierung des Bades und Erhalt seines nostalgischen Charmes
sammelt. Gemeinsam setzt sich der Förderverein für den Erhalt und die Förderung des Thermalfreibades Sinzig-Bad Bodendorf ein, unter dem Motto: „Mit Rat und Tat für unser Thermalfreibad!“. Mit Ihrer Spende und/oder Ihrer Mitgliedschaft helfen Sie dem Verein dabei, den Erhalt des Thermalfreibades zu sichern.

Infos: www.foerderverein-thermalbad-badbodendorf.de

Auch das Umfeld muss stimmen!

Außer Frage ist unser 80jähriges Thermalfreibad mit seinem wunderschönen Baumbestand ein Kleinod und eine Oase der Gesundheit, aber auch, wenn wir vor fünf Jahren das Prädikat „Heilbad“ verloren haben, gibt es noch immer weitere Kurmittel, die man tunlichst nicht vernachlässigen sollte. Sie gehören wohlgemerkt auch zum Freibad, quasi wie die Mutter zum Kind, und das von Anfang an, sprich, ebenfalls seit 80 Jahren. Gemeint ist der Kurpark mit seinen beiden staatlich zugelassenen Trinkstellen der Heilquelle „St. Josef Sprudel“. Nach dem unsäglichen und kurzsichtigen Stadtratsbeschluss von 2012, mit den Eigentümern keinen neuen Pachtvertrag abzuschließen, ist der Park quasi zur Tabuzone der Kommune geworden, obwohl er wie kein anderer Bereich in größtem öffentlichen Interesse liegt. Logisch, dass er so bald zu einer hässlichen Wüste zu verkommen drohte, was bei Bürgern und Gästen nur noch Kopfschütteln auslöste. Schließlich ergriffen die rüstigen Rentner um Helmut Weber, das Team Technikmuseum, sowie der für die Trinkhalle verantwortliche Kontrollleiter des Sprudels die Initiative. Es kam mit dem Geschäftsführer des Hauses Maranatha Harald Monschau schnell zu einem fruchtbaren Gespräch mit dem Ergebnis, dass das Haus Maranatha künftig die Rasenpflege übernimmt, die aktiven Rentner die Pflege der Beete und des Buschwerks und die Verantwortlichen für Technikmuseum und Quelle die Trinkhalle und den Springbrunnen. Anfallende Kosten trägt das Haus Maranatha. Also eine schöne Zusammenarbeit zum Wohle des Dorfes und seiner Gäste, die sicher auch in ganzstädtischem Interesse liegt. Im Übrigen war der Kurpark seit seinem Bestehen stets in Privatbesitz, aber immer haben sich hier Mitbürger engagiert. Man denke etwa an den unvergessenen Josef Krahm, der in den Park sicher einst ein Viel faches an Leistung gesteckt hat, als das, was er dafür bekommen hat. Eine ähnlich positive Gemeinschaftsaktion auf diesem exponierten Gelände hat es schon im vergangenen Jahr mit dem Bau der neuen ansprechenden Trinkstelle am Freibad gegeben (siehe DS 2/16). Hier war allerdings erfreulicherweise auch die Stadt mit im Boot.

Es ist sicher jedem klar, dass ein Engagement im Park, wenn es durchaus auch Spaß macht, vor allem eines bedeutet, nämlich „viel Arbeit!“. Deswegen appellieren die jetzigen Mitstreiter an alle Bürgerinnen und Bürger, vielleicht gerade aus der Nachbarschaft, hier mal mit anzupacken. Mehr helfende Hände können auch mehr schaffen. Bitte melden unter H. Weber, Telefon 5761.