Diese Website benutzt Cookies. Wenn Sie die Website weiter nutzen, gehen wir von Ihrem Einverständnis aus.

OKweitere Informationen

Erschreckend: Das Element Wasser ist vielen Kindern fremd


BAD BODENDORF. Immer mehr Kinder können mit dem Element Wasser gar nichts anfangen, weil sie so selten damit konfrontiert werden. Der Bad Bodendorfer Schwimmlehrer Frank Riffel nimmt die Eltern in die Pflicht.

Von Von Judith Schumacher
Quelle: Rhein-Zeitung, Ausgabe 09.06.2018

Spaß steht bei den Schwimmkursen von Frank Riffel (Mitte, hinten), der im Nostalgie-Thermalbad Sinzig-Bad Bodendorf von seiner Tochter Ouda (rechts) unterstützt wird, im Vordergrund. Anna (2. von links) ist mit drei Jahren die jüngste Kursteilnehmerin, die Riffel je hatte.
Foto: Judith Schumacher

Wasser ist Frank Riffels Element. Der Pächter des Nostalgiethermalbades Sinzig-Bad Bodendorf gibt seit 30 Jahren Schwimmunterricht. Seine Kurse, die zehn Einheiten à 45 Minuten umfassen, sind überaus begehrt. „Die Nachfrage ist enorm, ich könnte noch viel mehr anbieten“, sagt der 50-Jährige, der für seine Geduld und seinen Humor auch von den Eltern der Kinder sehr geschätzt wird. Seit vier Jahren leitet er auch ehrenamtlich Kinder während des Schulschwimmens an, wie sie sich im Wasser bewegen können.

Schwimmunterricht in den Schulen ist längst kein flächendeckendes Angebot. Die RZ sprach mit einigen Akteuren.

„Immer mehr Kinder können mit dem Element Wasser gar nichts anfangen, weil sie so selten damit konfrontiert werden“, hat Riffel als ausgebildete Fachkraft für Bäderbetriebe und Schwimmlehrer registriert. So kommt es vor, wenn er Wettrennen durch das Becken veranstaltet, dass Kinder, wenn sie umfallen, selbst im Flachwasser nicht wissen, wie sie wieder auf die Beine kommen.

Woran das liegt? „Ich nehme an, ein großer Faktor ist die Generation Computer und Handy“, mutmaßt er. Aber es liege auch daran, dass manche Eltern denken würden, nach einem Schwimmkurs wäre das Thema dann erst einmal erledigt. Es sei schon nötig, dass die Eltern nach dem Kurs auch weiterhin mit ihren Kindern schwimmen gehen. In der Regel haben acht von zehn Kindern nach einem Kurs bei Riffel ihr Seepferdchen-Abzeichen. Das heißt, sie können wenigstens 25 Meter schwimmen und einen Tauchring vom Boden des Beckens wieder nach oben befördern. „Aber das ist wie mit dem Fahrradfahren, wenn man es einmal gemacht hat und das Rad dann wieder tagelang im Keller steht – das kann nicht funktionieren“, mahnt er notwendige Praxis an. Eine Mutter habe ihm auf Nachfrage gesagt, ihr achtjähriges Kind sei schon dreimal im Wasser gewesen. „Nicht im Monat, sondern sein ganzes Leben“, sagt Riffel, der den Standpunkt vertritt: Je früher ein Kind ans Wasser gewöhnt wird, desto besser.

„Bis zum Alter von fünf Jahren haben Kinder so gut wie keine Angst, danach wird es schon schwieriger“, weiß Riffel aus Erfahrung. Ihm ist es wichtig, auf jedes Kind individuell einzugehen. Kommt eines im Kurs nicht richtig mit, bekommt es von ihm kostenlos Einzelunterricht. „Der Trick ist: Die Kinder dürfen gar nicht merken, dass sie schwimmen lernen“, erklärt Riffel seine Methode, die vor allem von der Verbildlichung und dem Spaß an der Sache lebt, wie wenig später bei einem seiner Kurse zu sehen ist. „Jetzt tauchen wir durch das Wasser wie eine Rakete!“ oder „Eure Hände sind wie Ruder, eure Beine sind der Motor“. Und wenn einer seine Beine nicht richtig benutzt, fragt er: „Was ist los, ist deine Batterie leer?“ Den häufigen Fehler, dass die angehenden Wasserratten ihre Finger nicht richtig schließen, kommentiert er: „Das ist, als würdet ihr versuchen, Suppe mit einer Gabel zu essen.“ Oder: „Ihr müsst das Wasser wegdrücken, wie der Maulwurf gräbt.“

Mädchen und Jungen, die schon so eine Panik vor Wasser aufgebaut haben, dass sie selbst ängstlich sind, wenn sie nur Wasser in die Augen bekommen, sagt er etwa: „Du gehst doch auch nicht mit dem Regenschirm unter die Dusche.“ Solche Kandidaten sind für Riffel eine große Herausforderung, der er sich sehr behutsam stellt. Auch Erwachsenen hat Frank Riffel schon Schwimmen beigebracht. Er erinnert sich an eine Jugoslawin, die aus einem armen Bergdorf kam: „Nachdem sie schwimmen gelernt hatte, wollte sie dann auch Fahrrad fahren lernen“, erzählt er schmunzelnd. Bei seinen Kursen unterstützt ihn nun auch Ouda, die Tochter von Eva und Frank Riffel. „Wir halten unsere Kurse auch bei etwas schlechterem Wetter ab, wenn es warm genug ist, denn nass werden die Kinder ja ohnehin“, betont er, bevor er weiter daran geht, ein paar weitere Kinder Seepferdchen-tauglich zu machen.